Bambus schneiden

Unsere Schüler sind tüchtig und fleissig. Und gerne erlauben sie sich auch Spässe. Zum Beispiel solche:

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Bald ist der Schnee weg

Unterdessen schneiden die 7. Klässler Weiden, welche die 10. Klässler im Korbflechten verwenden.

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Igel und Zimmerpflanzen

Unter dem Kompostvlies haben wir die Wohnung einer Igelfamilie entdeckt: Eine Igelmutter mit vier jungen Igelchen. Wir können ihnen beinahe beim wachsen zuschauen. Sie sind sehr, sehr herzig. Die Schüler freuen sich sehr. Hier ein Porträt:

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Die Zimmerpflanzen aus den Klassenzimmern sind den Sommer über im Schulgarten zur Erholung. Wir topfen um, düngen und machen die Pflanzen wieder schön und kräftig damit sie die harten Zeiten in den Klassenzimmern gut überstehen…
Gemeinsam versammelt warten sie auf den Abtransport in die Schule!

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…und zuletzt grüsst der Gartenbaulehrer selbst:

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Schulgartenfilm

Hier gibt es einen Schulgartenfilm von der Waldorfschule in Stuttgart!

Frühlings Erwachen…

mit ausgestellten Getränkebüchsen und Flaschen, welche von Autofahrern in die Wiesen geworfen wurden. Eine Aktion mit der 8. Klasse!

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und beim Schneiden der Kopfweiden.

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In die Höhe…

Wir haben eine neue Leiter weil wir ab und zu in die Höhe müssen! Manchmal können normale Leitern nicht angestellt werden und normale Bockleitern sind einfach im Garten nicht so praktisch.
Unser Werklehrer hat mit 9.Klässlern eine Obstpflückleiter nach einem alten Modell nachgebaut. Wirklich gut!!!
Und wenn jemand eine solche Leiter möchte, könnte ich vielleicht unseren Werklehrer dazu überreden…

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Ein neuer Artikel zum Gartenbaunterricht

Pädagogischer Gartenbau – Achtsamkeit für die Zukunft

Peter Lange

Achtsamkeit
Der Schulgarten kann Zentrum einer Schule sein, weil der Garten selber mit allen Dingen des Lebens zu tun hat. Viele Menschen ahnen und wissen das. Sie haben den Impuls, Kindern eine Begegnungsmöglichkeit mit den Wundern des Gartens zu verschaffen So kann verstanden werden, dass sich der Gartenbauunterricht vor allem an Waldorfschulen mit erstaunlicher Hartnäckigkeit in einer vor allem informationsorientierten Gesellschaft erhalten hat. Die Gesellschaft braucht für ihre weitere Entwicklung Menschen, die grosse Zusammenhänge sehen und denken können und sich dafür einsetzen wollen. Der Garten spricht den Menschen gleichermassen in Kopf, Herz und Hand an und lässt ihn tätig werden. Gartenbauunterricht ist zwar nur ein Fach im ganzen Fächerkanon der Waldorfschulen, bringt aber durch seinen besonderen Charakter alle Fächer zusammen und ist gleichzeitig auch Zubringer für alle Fachbereiche.

Wir werden einen neuen Umgang mit der Natur lernen müssen. Wir werden lernen müssen, wie wir mit der Natur zusammenarbeiten können ohne sie zu zerstören. Das erfordert ein achtsames Bewusstsein für das, was um mich herum ist. Das erfordert eine Neuausrichtung von Denken, Fühlen und Willen. Diese Aufgabe ist schwierig und benötigt Zeit. Wir können damit aber anfangen: Jeder für sich auf der persönlichen Ebene und als Gesellschaft in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen. In einer umfassenden Pädagogik birgt der Schulgarten sehr viele Möglichkeiten und wird neue, zukunftsgerichtete Aufgaben bekommen.

Vergangenheit
In der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine starke Schulgartenbewegung. Ziel war, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, wie sie ihre Nahrungsmittel selber anbauen können. Vorausschauende Pädagogen wussten, dass sie der zunehmenden Industrialisierung und Proletarisierung der Gesellschaft etwas entgegen setzen mussten. Sie leisteten damit einen wesentlichen Beitrag an die Volksgesundheit.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Landwirtschaft zunehmend mit Maschinen, Kunstdünger und Pestiziden industrialisiert. Landwirtschaftliche Produkte konnten immer kostengünstiger produziert werden, der Welthandel ermöglichte einen globalen Warentausch mit seinen positiven und negativen Folgen. Wie vieles andere wurden im 3. Reich die Schulgärten instrumentalisiert und missbraucht.
Diese Faktoren bewirkten zusammen ein rasches Verschwinden der Schulgärten nach dem Weltkrieg. In der Pädagogik entstanden andere Schwerpunkte: Information statt Bildung, wissen statt Können. So verschwanden neben dem Gartenbau auch andere praktische Fächer. Schulgärten lieferten allenfalls noch Anschauungsmaterial für den Naturkundeunterricht. Mit der Ökologiebewegung der 70er und 80er Jahre lebten die Schulgärten wieder für kurze Zeit auf. Heute haben sie im öffentlichen Bildungswesen – von einigen Ausnahmen abgesehen – keinen Stellenwert mehr.

Intention
Kurz nach der Begründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart führte Rudolf Steiner den Gartenbauunterricht ein. Er hat für den Gartenbauunterricht keinen eigentlichen Lehrplan, wie er es für andere Fächer getan hat, gegeben. Es finden sich aber einige wenige Hinweise, welche eine deutliche Richtung angeben und eine wesentliche Orientierungshilfe sein können.

Was war Steiners Intention? Aus einer Gesprächsüberlieferung mit Lili Kolisko:

„Frl. Michels hat in der Schule mit dem Unterricht der Kinder bereits begonnen. Sie wird neue Wege gehen und suchen müssen; Menschen, die in der Schule einmal diesen Unterricht durchgemacht haben, werden Entscheidungen treffen können, ob eine Methode oder irgend eine Massnahme in der Landwirtschaft richtig oder falsch ist, nicht weil sie es gelernt haben, sondern aus der Sicherheit des Gefühls heraus. Auch die moralischen Kräfte werden mit so einem Unterricht geübt. In der sozialen Haltung des Erwachsenen erst wird die Auswirkung solchen Unterrichts liegen.“

Rudolf Steiner legt dem Gartenbauunterricht einen Wert bei, der weit über Selbstversorgung und gesunde Nahrungsmittel hinausgeht – entgegen der damals an den Schulen herrschenden Ansicht. Es ist ihm wichtig, dass die Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, was im Umgang mit der Natur richtig ist. Gleichzeitig ist die Tätigkeit im Garten eine moralische Übung, die sich später im sozialen Verhalten der Menschen zeigt. Steiner wies vor bald 100 Jahren darauf hin – die heutige Zeit braucht solche Menschen!

Ein weiterer Hinweis zeigt einen gärtnerischen Höhepunkt und gleichzeitig das Ende des Gartenbauunterrichtes an:

Konferenz vom 25.5.23:
„Es wird gefragt nach dem Gartenbauunterricht in den obersten Klassen.
Dr. Steiner: Gartenbau machen wir bis zur 10. Klasse. Die obersten Klassen sollte man ganz aus dem Gartenbau herauslassen. Pfropfen würden die Kinder gerne machen. Wenn sie in das Mysterium des Pfropfens eingeführt würden, werden sie es ganz gerne machen.“

Steiner hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Die Schüler machen das wirklich sehr gerne. Die Wortwahl Steiners ist erstaunlich: Er spricht vom Mysterium des Pfropfens und nicht von der Technik des Pfropfens wie das üblicherweise gemacht wird. Damit kann man sich beschäftigen! Zwei Aspekte sollen am Beispiel des Apfels aufgezeigt werden. Vom Apfel gibt es Wild- und Kulturformen. Der Wildapfel ist klein, sauer, hat wenig Fruchtfleisch und Aroma. Der Kulturapfel ist gross, süss und schmackhaft. Der Wildapfel wächst von alleine, ist gesund und widerstandsfähig, sein kultivierter Gefährte gedeiht nicht ohne die Pflege durch den Menschen. Beim Propfen oder Veredeln wird nun ein Zweig der Kultursorte in den Stamm eines Wildlings eingesetzt. Dieser ist nun die Unterlage für die schönen grossen Äpfel, welche Kraft und Gesundheit aus der Wurzel des Wildlings beziehen. Das Veredeln ist ein deutlicher Eingriff in die Pflanze. Die aktiven Zellteilungsschichten unter der Rinde – die Kambien – werden durch gärtnerische Kunst so miteinander verbunden, dass sie dauerhaft zusammen wachsen können. Es entsteht eine Pflanze, die es in der Natur von selber nicht gibt. Der Mensch schafft sie durch seine Tätigkeit.
Dazu kommt noch ein Aspekt, der weit über das Gärtnerische hinausgeht. Ohne alle Kulturpflanzen hätten wir einen mageren Speisezettel. Wir bräuchten alle unsere Zeit um zu Jagen und zu Sammeln. Unsere heutige Kultur wäre so nicht möglich. Dank den Kulturpflanzen können wenige Menschen viele ernähren, welche dann im weitesten Sinn kulturell tätig sein können. Bei den Schülern entsteht sehr bald die Frage, woher denn die ersten Kulturpflanzen gekommen seien. Heute können keine neuen Kulturpflanzen geschaffen werden. Durch Kreuzung verwandter Arten ist es möglich, immer wieder neue Sorten zu züchten. Soll aber eine Pflanze dazu gebracht werden, bestimmte Organe – zum Beispiel das Fruchtfleisch beim Apfel – so auszubilden, dass es nährt, braucht es eine tiefere Begegnung mit Wesen und Charakter der Pflanze.

Garten
Jeder Garten ist ein besonderer Ort. Er ist die dem Menschen am nächsten stehende Natur. Er ist ein Ort der Beziehung. Es gibt soviel Möglichkeiten einen Garten zu gestalten, wie es Gärtner gibt. Das gilt auch für den Schulgarten. Viele Faktoren bestimmen den Garten: Klima, Höhenlage, Niederschlagsmenge, Boden, Ausrichtung, Lage usw. In jeder Situation können Pflanzen wachsen – aber nicht immer die gleichen. Neben dem Land ist der Gärtner der wichtigste Faktor. Auch hier sind die grössten Verschiedenheiten anzutreffen. Fähigkeiten, Phantasie, Vorlieben oder kurz gesagt, die Individualität ist gestaltender Faktor. Es gibt keine zwei gleichen Schulgärten! Es gibt keine gleichen Gärtner und keinen gleichen Gartenbauunterricht!

Was könnte nun aber Verbindendes sein zwischen Schulgärten, damit sie der pädagogischen Aufgabe – und diese bleibt sich gleich – gerecht werden? Versuchen wir diese noch einmal zu fassen: Durch die Arbeit im Garten, durch den praktisch tätigen Umgang mit Erde, Pflanzen und Tieren sollen die jungen Menschen eine Gefühlskultur entwickeln, die sie später fähig macht, urteilsfähig zu sein gegenüber der Welt. Sie sollen das Gefühl der Achtsamkeit bilden um zu einem neuem Umgang mit unserer Erde zu kommen.

Ein Schulgarten soll eine in sich stimmige Schönheit haben, denn Schönheit hilft, sich im Leib, mit allen Sinnen, mit Gefühlen und Gedanken mit der Welt zu verbinden.

Kinder
Jeder Mensch möchte grundsätzlich lernen und in der Welt tätig werden. Der Lehrplan der Rudolf Steiner Schulen ist in seinem Ansatz eine geniale Möglichkeit dazu. Die Kinder und Jugendlichen werden im Denken, Fühlen und Wollen oder in Kopf, Herz und Hand angeregt. Lernen wollen müssen sie selber – als Lehrer können wir nur Hindernisse aus dem Weg räumen. Der Gartenbauunterricht ist an einer Schule ein Fach von vielen. Der Fächerkanon als Ganzes bildet die Kinder. Der Garten hat mit den allen Dingen des Lebens zu, er spricht gleichermassen Kopf, Herz und Hand an. Er verbindet mit der Erde.
Bevor die Kinder in der 6. Klasse in den Gartenbauunterricht kommen, haben sie im Unterricht und wie auch zuhause viele Naturerfahrungen machen können. Nun geht es darum, fachmännisch tätig zu werden. Das Spielen ist vorbei, jetzt soll es so sein, wie es in der Welt gemacht wird. Auch die Eltern freuen sich, dann plötzlich werden zuhause von den Kindern Beete angelegt und gepflegt. Der Mensch ist aber ein Entwicklungswesen und der nächste Schritt steht in diesem Alter bevor. Diese ist der notwendige Schritt zur Erdenreife, auch etwas weniger treffend Pubertät genannt. Soll der Mensch so reif werden, dass er auf der Erde tätig sein kann, setzt das voraus, dass er Individualität wird. Was ihm von Aussen gegeben wurde, muss er zu seinem eigenen machen. Wie schwierig das ist, weiss jeder, wenn er sich an seine eigene Jugendzeit erinnert. Der Gartenbauunterricht begleitet die jungen Menschen durch diese Lebensphase in der 6./7./8./9./10. Und 11. Klasse. Der Gartenbaulehrer muss sich sehr bewusst sein, dass er ein Pädagoge der Erdenreifung ist. Drei Eigenschaften bewähren sich immer: Humor, Grosszügigkeit und Führungswille. So können die Jugendlichen den Bogen durchwandern, der ihnen ermöglicht, Erdenerfahrungen zu sammeln. Zuerst die Begeisterung, selber Pflanzen ziehen zu können. Dann folgt die Mühe mit sich selber, wo es am Besten ist, Arbeiten nicht für sich selber, sondern für die Sache zu tun, bis dann hin zum Veredeln und dem Schaffen von Pflanzen, die es ohne die eigene Tätigkeit nicht geben würde. An vielen Schulen wird der Bogen des Gartenbauunterrichtes schon in der 8. oder 9. Klasse beendet. Das ist ein – von der Entwicklung der Jugendlichen her gesehen – ungünstiger Zeitpunkt. Die Maturavorbereitung holt ihre Stunden vor allem in den handwerklich-künstlerischen Fächern.

Lehrer
Grundsätzlich ist der Gartenbauunterricht eine pädagogische Angelegenheit. Der Gartenbaulehrer muss pädagogische Fähigkeiten haben und wenn möglich auch eine pädagogische Ausbildung. Fachliche Kompetenz und praktische Fähigkeiten sind ebenfalls notwendig. Das fachlich zu vermittelnde Wissen geht eher in die Breite als in die Tiefe. Oft ist der Spagat zwischen gärtnerischer Notwendigkeit und pädagogischer Aufgabe nur schwer zu überwinden, da für den Gärtner die Pflanzen an erster Stelle und für den Lehrer die Kinder an erster Stelle kommen. Wer gewinnt? Meistens der Lehrer und der Gärtner muss leiden… Fachkenntnisse, Interesse für die Welt und Begeisterung für die Sache ist die Fähre, auf welcher der Unterricht zu den Schülern gebracht werden kann.
Pädagogik ist, wenn sie nicht einfach als Wissensvermittlung betrachtet wird, ein künstlerischer Prozess. Der Lehrer verzichtet aber darauf, ein äusserlich sichtbares Kunstwerk herzustellen. Sein Kunstwerk – also das, was er in die Kinder hineinlegt – hüpft mit ihnen davon und wirkt über ein Leben hinaus.

Auftrag
Die Frage nach dem pädagogischen Auftrag ist die Frage nach dem, was die Kinder und Jugendlichen jetzt benötigen. In einem Gespräch (Goetheanum 48/11)hat sich der ehemalige Leiter der Pädagogischen Sektion, Christof Wiechert, sehr treffend geäussert: „Wenn man auf die Zivilisation, die postindustrielle Zivilisation schaut, dann sieht man, dass alle Erziehung darauf hinaus läuft, dem Menschen seine seelischen Hüllen zu nehmen. Wir kommen in eine Zeit, in der der Mensch schon als Heranwachsender nur noch als Ich dasteht. Alle dämpfenden Schleier des menschlichen Wesens, die in Ätherleib und Astralleib, das heisst in Gewohnheiten und seelischer Fülle sich ausleben, werden von der Kultur weggebrannt. () Kinder sind durch die Zivilisation ganz nackt geworden. () Warum hat Rudolf Steiner diese Hüllenpädagogik inauguriert? Weil wir in der medialen schnellen Welt das Seelische zu verlieren drohen. Das sehen wir in grossem Massstab, dass Seelisches sich nicht ausdrücken kann, verschwindet. Seele und damit der Kern, das Ich, muss unter grossen Anstrengungen zum Vorschein gebracht werden, in einer Kultur, die das am liebsten unter Emotionalität wegpackt.“

So vollzieht sich für den Schulgarten ein Wandel: Vom Garten, in dem man arbeitet hin zum Garten, in dem man zum ganzen Menschen werden kann. Erst dieser kann aus seiner Seele heraus die Achtsamkeit entwickeln, welche es braucht, um in der Welt richtig zu handeln. Eine Aufgabe für die Gesellschaft, die Schulen und die Gartenbaulehrer!

Der Link zum Pädagogischen Gartenbau: http://www.schulgarten.ch